Warum kräuselt sich Lack, hebt sich oder löst sich vom Untergrund?
Kurzantwort
Wenn sich Lack kräuselt, hebt, reißt oder vom Untergrund löst, ist die häufigste Ursache eine Unverträglichkeit der verwendeten Materialien. Die neue Schicht verträgt sich nicht mit der darunterliegenden Beschichtung, greift sie chemisch an, weicht sie auf oder löst sie teilweise an. Das Ergebnis kann eine verkrustete, gekräuselte oder rissige Oberfläche sein, die nicht richtig haftet.
Das Risiko ist besonders hoch, wenn eine alte Beschichtung erhalten bleibt, nur angeschliffen wird und darauf ein neues Material aufgetragen wird. Das Anschleifen verbessert die mechanische Haftung, garantiert aber keine chemische Verträglichkeit der Schichten.
Warum passiert das?
Neu aufgetragene Farbe oder Klarlack enthält Lösemittel. Diese können die untere Schicht angreifen, besonders wenn es sich um eine alte, unbekannte, empfindliche oder nicht ausreichend ausgehärtete Beschichtung handelt. Die untere Schicht beginnt dann weich zu werden, sich zu heben oder mit dem neuen Material zu reagieren.
Der Lack verhält sich auf der Oberfläche dann nicht normal. Statt gleichmäßig zu verlaufen und zu haften, beginnt er sich zu kräuseln, abzustoßen, zu reißen oder eine grobe verkrustete Struktur zu bilden. In diesem Fall handelt es sich nicht nur um einen optischen Fehler, sondern um ein Problem mit Haftung und Stabilität des gesamten Lackaufbaus.
Häufigste Ursache: Materialunverträglichkeit
Am häufigsten tritt dieser Fehler bei der Kombination verschiedener Materialien oder beim Lackieren über eine alte Beschichtung auf. Bei einer alten Lackschicht weiß man oft nicht, welches System verwendet wurde, wie alt es ist, wie gut es ausgehärtet ist oder wie es mit neuer Farbe oder neuem Klarlack reagiert.
Das Problem kann auch entstehen, wenn die Oberfläche auf den ersten Blick fest und tragfähig wirkt. Die neue Schicht kann die alte Beschichtung durch Lösemittel erneut aktivieren, anlösen oder aufweichen. Anschließend beginnt sich die untere Schicht zu heben und der neue Lack löst sich davon.
Risiko beim Erhalten der alten Beschichtung
Eine alte Beschichtung zu erhalten, ist immer ein gewisser Kompromiss. Wenn der alte Lack nur angeschliffen und anschließend mit einem neuen Lackaufbau überarbeitet wird, reduziert das zwar den Arbeitsaufwand, lässt aber eine unbekannte Schicht im System.
Die alte Beschichtung kann ein originaler Werkslack, eine ältere Reparatur, Sprühlack, 1K-Material, alter Füller oder eine Kombination mehrerer verschiedener Schichten sein. Wenn Zusammensetzung und Vorgeschichte nicht bekannt sind, besteht immer ein Risiko einer Reaktion mit dem neuen Material.
Risiko bei der Kombination verschiedener Produkte
Ein weiterer häufiger Grund ist die Kombination verschiedener Produkte, Hersteller oder chemischer Systeme. Nicht jede Grundierung, jeder Füller, Basislack, Effektlack oder Klarlack ist automatisch mit jedem anderen Produkt kompatibel.
Das Risiko steigt besonders bei unbekannten Sprühlacken, alten 1K-Materialien, günstigen Universallacken, alten Reparaturen und neuen Lackiersystemen. Wenn die Schichten in falscher Reihenfolge oder mit nicht kompatiblen Produkten aufgebaut werden, kann sich der Lack heben, kräuseln oder ablösen.
Weitere mögliche Ursachen
- die alte Beschichtung ist chemisch nicht mit der neuen Schicht kompatibel,
- der alte Lack wurde nur angeschliffen, war aber nicht stabil,
- die untere Schicht war nicht ausreichend ausgehärtet oder abgelüftet,
- die neue Schicht wurde zu stark aufgetragen,
- das neue Material enthielt zu viele Lösemittel für den empfindlichen Untergrund,
- verschiedene Systeme wurden ohne vorherigen Test kombiniert,
- die Oberfläche war verschmutzt, fettig oder schlecht vorbereitet,
- auf dem Teil befanden sich Reste alter Sprühlacke, Wachse, Polituren oder ungeeigneter Reiniger.
Wie sieht der Fehler aus?
Typisch ist eine gekräuselte, rissige, verkrustete oder grobe Struktur auf der Oberfläche. Der Lack kann so aussehen, als würde er sich von der unteren Schicht ablösen oder abstoßen. Die Oberfläche haftet nicht fest und lässt sich oft leicht beschädigen, ablösen oder aufbrechen.
Der Fehler kann direkt nach dem Auftragen der neuen Schicht entstehen, manchmal zeigt er sich aber erst nach kurzer Zeit, wenn die Lösemittel beginnen, mit der unteren Beschichtung zu reagieren.
Warum hilft eine weitere Schicht nicht?
Wenn sich Lack hebt oder kräuselt, liegt das Problem nicht daran, dass zu wenig Material auf der Oberfläche ist. Das Problem ist, dass die Schichten nicht richtig miteinander reagieren oder die untere Schicht nicht stabil ist.
Eine weitere Schicht löst den Fehler normalerweise nicht. Im Gegenteil, sie kann die untere Beschichtung zusätzlich mit Lösemitteln belasten und die Reaktion verschlimmern. Die Oberfläche kann weiter weich werden, reißen, sich heben oder Haftung verlieren.
Wie lässt sich das Problem vermeiden?
- wenn der ursprüngliche Lackaufbau unbekannt ist, immer mit einem Reaktionsrisiko rechnen,
- vor einer größeren Lackierung einen Test an einer kleinen weniger sichtbaren Stelle durchführen,
- unbekannte Produkte und verschiedene Systeme nicht unnötig kombinieren,
- kompatible Produkte in der empfohlenen Schichtreihenfolge verwenden,
- bei Zweifel die alte Beschichtung bis auf einen festen stabilen Untergrund entfernen,
- empfohlene Ablüft- und Aushärtezeiten einhalten,
- keine zu starken Schichten auftragen, die die untere Beschichtung stärker anlösen können,
- die Oberfläche vor dem Lackieren richtig reinigen, anschleifen und entfetten.
Was tun, wenn sich der Lack kräuselt oder hebt?
Wenn die Reaktion auftritt, sollte die Anwendung gestoppt und die Oberfläche aushärten gelassen werden. Solange das Material weich, klebrig oder aktiv reagierend ist, sollte es nicht geschliffen oder mit einer weiteren Schicht überlackiert werden.
Nach dem Aushärten muss die beschädigte Schicht in der Regel entfernt oder bis auf einen festen stabilen Untergrund angeschliffen werden. Erst danach kann die Oberfläche erneut richtig gereinigt, entfettet und mit einem geeigneten Lackaufbau weiterbearbeitet werden.
Wann ist es besser, die alte Beschichtung zu entfernen?
Die alte Beschichtung sollte entfernt werden, wenn nicht bekannt ist, welches Material verwendet wurde, wenn die Oberfläche bereits früher reagiert hat, wenn der Lack abblättert, weich, rissig oder schlecht haftend ist oder wenn es sich um eine alte unbekannte Reparatur handelt.
Das Entfernen der alten Beschichtung ist aufwendiger, aber oft sicherer als das Lackieren über einen unbekannten Untergrund. Ein stabiler und kompatibler Untergrund ist die Grundlage für ein gutes Ergebnis.
Zusammenfassung
- Kräuseln, Heben oder Ablösen von Lack entsteht meistens durch Unverträglichkeit der verwendeten Materialien.
- Das Risiko ist hoch, wenn über eine alte Beschichtung lackiert wird, die nur angeschliffen wurde.
- Anschleifen garantiert keine chemische Verträglichkeit mit der neuen Schicht.
- Neue Farbe oder neuer Klarlack kann die untere Beschichtung aufweichen, anlösen oder teilweise lösen.
- Das Ergebnis ist eine gekräuselte, verkrustete oder rissige Oberfläche, die nicht haftet.
- Eine weitere Schicht löst das Problem meistens nicht und kann die Reaktion verschlimmern.
- Die beschädigte Schicht muss in der Regel bis auf einen festen stabilen Untergrund entfernt und der Lackaufbau korrekt wiederholt werden.

