Mit welcher Körnung sollte man vor dem Lackieren schleifen?

Kurzantwort

Die richtige Körnung hängt davon ab, welche Oberfläche vorbereitet wird und welche Schicht danach aufgetragen werden soll. Es stimmt nicht, dass eine gröbere Schleifspur automatisch bessere Haftung bedeutet. Ebenso stimmt es nicht, dass feineres Schleifen automatisch bessere Arbeit bedeutet.

Zu grobes Schleifen kann tiefe Schleifspuren erzeugen, die sich später in weiteren Schichten als sichtbare Konturen, Absackungen oder Markierungen abzeichnen. Eine zu fein geschliffene oder fast polierte Oberfläche kann dagegen die Haftung der nächsten Schicht verschlechtern.

Für unsere PMcolours Effektlacke, die bei der Untergrundvorbereitung ähnlich wie Metallic-Lacke behandelt werden, empfehlen wir allgemein eine Vorbereitung der Oberfläche mit etwa P800. Es muss jedoch immer unterschieden werden, ob Metall, Altlack, Kunststoff, Spachtel, Epoxy-Primer oder Füller geschliffen wird.

Warum gibt es keine universelle Körnung?

Jedes Material lässt sich anders schleifen. Dieselbe Körnung erzeugt auf blankem Stahl ein anderes Ergebnis als auf Aluminium, Kunststoff, Altlack oder Füller. Auch Schleifmethode, Werkzeug und Qualität des Schleifmaterials spielen eine große Rolle.

Handschliff hinterlässt eine andere Oberfläche als ein Exzenterschleifer. Deshalb kann man nicht sagen, dass zum Beispiel P180, P400 oder P800 immer und für alles richtig ist. Die Körnung wird nach Untergrund und nach der folgenden Schicht gewählt.

Grobes Schleifen bedeutet nicht automatisch bessere Haftung

Ein häufiger Irrtum ist, dass ein möglichst grob geschliffener Untergrund immer besser hält. Für manche Materialien ist zwar ausreichende mechanische Haftung notwendig, aber zu tiefe Schleifspuren können später problematisch werden.

Große Schleifspuren können sich später in Füller, Basisfarbe, Effektlack oder Klarlack abzeichnen. Auf reparierten Teilen entstehen dann sichtbare Übergänge, Konturen oder Unebenheiten, obwohl die Oberfläche vor dem Lackieren zunächst gut ausgesehen hat.

Feineres Schleifen bedeutet nicht immer bessere Arbeit

Auch der gegenteilige Fehler ist problematisch. Wenn die Oberfläche zu fein vorbereitet wird, kann sie für die nächste Schicht zu glatt sein. Das neue Material kann dann keine ausreichende mechanische Haftung aufbauen.

Richtige Vorbereitung bedeutet also nicht, möglichst fein zu schleifen, sondern die passende Körnung für das jeweilige Material und die nächste Schicht zu verwenden. Im Idealfall sollte immer das technische Datenblatt des jeweiligen Produkts beachtet werden.

Orientierende Körnungen vor dem Auftragen von Spachtel

Vor dem Auftragen von Spachtel muss die Oberfläche ausreichend angeschliffen sein, aber nicht unnötig grob an den falschen Stellen. Andernfalls können sichtbare Übergänge und Absackungen entstehen.

Oberfläche Orientierende Körnung
Stahl P80–P120
Aluminium P120–P180
Altlack P180–P240
Kunststoff P240–P320

Der Übergang von Metall zu originalem Altlack wird nicht mit einer einzigen Körnung über alles bearbeitet. Metall und Altlack können unterschiedliche Vorbereitung benötigen, sonst können später sichtbare Konturen oder Absackungen der Reparatur entstehen.

Orientierende Körnungen vor Grundierung

Vor Grundierung, Epoxy-Primer oder Kunststoffprimer wird die Körnung nach dem jeweiligen Material gewählt. Ziel ist ein Untergrund, auf dem die Grundierung gut haftet, ohne zu tiefe Schleifspuren zu erzeugen.

Oberfläche Orientierende Körnung
Stahl P120–P180
Aluminium P180–P240
Neue Kunststoffe P400–P500 oder Scotch-Brite

Orientierende Körnungen vor Füller

Füller dient dazu, die Oberfläche zu vereinheitlichen und kleine Unebenheiten auszugleichen. Damit er richtig haftet, muss der Untergrund passend vorbereitet werden. Die Körnung unterscheidet sich je nachdem, ob OEM-Grund, Epoxy-Primer, Spachtel, Altlack oder Kunststoff vorbereitet wird.

Oberfläche Orientierende Körnung
OEM-Grundierung P320–P400
Epoxy-Primer P180–P400
Polyesterspachtel P180–P400
Altlack auf Metall P180–P400
Altlack auf Kunststoff P240–P400

Füller schleifen vor dem Decklack

Nach dem Aushärten wird Füller so geschliffen, dass die Oberfläche eben, einheitlich und bereit für die Deckschicht ist. Hier dürfen keine tiefen Schleifspuren bleiben, die sich später in der finalen Oberfläche abzeichnen.

Deckmaterial Orientierende Körnung
Uni- und Volltonfarben P360–P600
Metallic-Lacke und Basislacke P400–P800
PMcolours Effektlacke allgemein empfehlen wir P800
Klarlack mattieren P800–P2000
Beilackieren / Auslaufzone ca. P3000

PMcolours Effektlacke und P800

Unsere Effektlacke Flip-Flop / Chameleon, Candy, Pearl, Ghost Pearl, Hologram und Glitter gehören bei der Untergrundvorbereitung zu den empfindlicheren Decklacken, ähnlich wie Metallic-Farben. Deshalb empfehlen wir allgemein, die Oberfläche vor dem Lackauftrag mit P800 vorzubereiten.

Die Oberfläche muss gleichmäßig, frei von tiefen Schleifspuren, Staub, Fett und Verunreinigungen sein. Bei Effektlacken werden Fehler im Untergrund leicht sichtbar, da Effekt, Lichtreflexion und Farbton stark von Qualität und Gleichmäßigkeit des Untergrundes abhängen.

Wird Basisfarbe oder Effektlack geschliffen?

Die Basisfarbe vor der Effektschicht wird normalerweise nicht geschliffen, wenn sie korrekt aufgetragen wurde und fehlerfrei ist. Auch der Effektlack selbst wird vor dem Klarlack normalerweise nicht geschliffen.

Durch Schleifen der Basis- oder Effektschicht können Metallic, Perleffekt, Pigment, Farbton oder Gleichmäßigkeit des Effekts gestört werden. Die finale Glätte, der Glanz und der Schutz entstehen erst durch korrekt aufgetragenen Klarlack.

Vorsicht an Kanten und Sicken

Beim Schleifen ist besondere Vorsicht an Kanten, Sicken und scharfen Übergängen nötig. Dort kann man schnell durch Basis, Füller oder Altlack bis auf ein anderes Material durchschleifen.

Eine durchgeschliffene Stelle muss danach wieder korrekt behandelt werden. Wenn beispielsweise blankes Metall sichtbar wird, sollte es mit geeigneter Grundierung, idealerweise Epoxy-Primer, behandelt werden. Danach wird mit dem richtigen Schichtaufbau weitergearbeitet.

Was tun nach dem Schleifen?

Nach dem Schleifen darf nicht einfach sofort lackiert werden. Die Oberfläche muss gründlich von Schleifstaub gereinigt, entfettet und trocken sein. Schleifstaub kann in Kanten, Öffnungen, Poren oder Fugen bleiben und später Lackfehler verursachen.

  • Schleifstaub entfernen,
  • die Oberfläche mit geeignetem Entfetter entfetten,
  • die Oberfläche vollständig ablüften lassen,
  • die Oberfläche nach dem Entfetten nicht mit bloßen Händen berühren,
  • kurz vor dem Lackieren kann ein Antistatiktuch zum Entfernen von feinem Staub verwendet werden.

Zusammenfassung

  • Die richtige Körnung wird nach Untergrund und nächster Schicht gewählt.
  • Grobes Schleifen bedeutet nicht automatisch bessere Haftung.
  • Zu tiefe Schleifspuren können sich in weiteren Schichten abzeichnen.
  • Eine zu fein vorbereitete Oberfläche kann die Haftung verschlechtern.
  • Für PMcolours Effektlacke empfehlen wir allgemein eine Vorbereitung mit P800.
  • Basisfarbe und Effektlack werden normalerweise vor der nächsten Schicht nicht geschliffen, sofern kein Fehler korrigiert werden muss.
  • Nach dem Schleifen muss die Oberfläche gereinigt, entfettet und abgelüftet werden.
  • Am besten ist es immer, das technische Datenblatt des konkreten Produkts zu beachten.
%s ...
%s
%image %title %code %s