Lackläufer („Nasen“) reparieren – so klappt’s

Lackläufer und Lacknasen entstehen meist durch eine zu dicke Lackschicht, einen zu geringen Abstand zur Oberfläche oder eine zu langsame Bewegung der Spraydose beziehungsweise Lackierpistole. Auch Temperatur, Verdünnung, Pistoleneinstellung und zu kurze Ablüftzeiten zwischen den einzelnen Schichten beeinflussen das Ergebnis.

Die gute Nachricht: Einen Läufer im Klarlack kann man nach vollständiger Aushärtung in vielen Fällen durch Schleifen und Polieren beseitigen. Entscheidend ist, die Reparatur nicht zu früh zu beginnen und nicht bis in die Farb- oder Effektschicht durchzuschleifen.

Wichtige Unterscheidung: Diese Anleitung gilt in erster Linie für Lackläufer im Klarlack. Wenn Basislack, Candy, Perleffektlack, Chameleon oder ein anderer Effektlack läuft, kann punktuelles Schleifen den Farbton oder die Ausrichtung der Effektpigmente verändern. In diesem Fall muss häufig die gesamte sichtbare Fläche neu aufgebaut und der Effektlack erneut aufgetragen werden.

Warum Lack läuft

Ein Lackläufer entsteht, wenn sich mehr flüssiges Material auf der Oberfläche befindet, als der Lack bis zum Ablüften halten kann. Zu den häufigsten Ursachen gehören:

  • eine zu dicke oder zu nasse Lackschicht,
  • eine zu langsame Bewegung der Hand,
  • ein zu geringer Abstand zwischen Spraydose oder Lackierpistole und Oberfläche,
  • mehrfaches Überspritzen derselben Stelle,
  • zu kurze Ablüftzeiten zwischen den Schichten,
  • zu stark verdünntes Material oder ein ungeeigneter Verdünner,
  • zu niedrige Temperatur, wodurch der Lack langsamer ablüftet,
  • eine falsche Pistoleneinstellung oder ein zu hoher Materialdurchfluss,
  • eine falsche oder zu stark geneigte Haltung der Spraydose.

Halten Sie die Spraydose beim Lackieren senkrecht mit Ventil und Düse nach oben und in der Regel in einem Abstand von etwa 20–30 cm zur Oberfläche. Der genaue Sprühabstand und die Ablüftzeiten richten sich immer nach den Angaben des jeweiligen Produkts.

Was tun, wenn der Lack gerade zu laufen beginnt?

Berühren oder verwischen Sie den Läufer während der Trocknung nicht und tragen Sie nicht zusätzlich Lack auf die betroffene Stelle auf. Eingriffe in den noch weichen Lack können die Oberfläche aufreißen, wellig machen oder die darunterliegende Farbschicht beschädigen.

Am sichersten ist es, den Lack vollständig aushärten zu lassen und die Stelle erst danach zu reparieren. Die erforderliche Aushärtezeit hängt vom Lacktyp, der Temperatur, der Schichtdicke und der Trocknungsmethode ab. Beachten Sie das technische Datenblatt des verwendeten Produkts.

Woran erkennt man, dass der Lack repariert werden kann? Die Oberfläche darf nicht weich oder klebrig sein und sich unter dem Druck des Schleifblocks nicht verformen. Setzt sich das Schleifpapier schnell mit weichem Lack zu, ist es für die Reparatur noch zu früh.

Vor der Reparatur: Art und Umfang des Schadens prüfen

  • Kleiner Läufer nur im Klarlack: Er kann meist plan geschliffen und anschließend poliert werden.
  • Großer oder hoher Läufer: Zuerst sollte die erhabene Spitze vorsichtig reduziert und erst danach geschliffen werden.
  • Läufer an einer Kante oder Sicke: Hier ist das Risiko des Durchschleifens besonders hoch. Arbeiten Sie äußerst vorsichtig.
  • Durchschliff bis in die Farb- oder Effektschicht: Polieren allein reicht nicht mehr aus. Die beschädigte Schicht muss erneuert werden.
  • Läufer im Effektlack: Punktuelles Schleifen kann Farbton und Effekt verändern. Häufig muss die gesamte sichtbare Fläche neu lackiert werden.

I. Reparatur durch Schleifen und Polieren

Diese Methode eignet sich, wenn sich der Läufer ausschließlich im Klarlack befindet und darunter noch eine ausreichende Materialstärke vorhanden ist.

1) Die Spitze des Lackläufers reduzieren

Eine deutlich erhabene Spitze kann nach vollständiger Aushärtung sehr vorsichtig mit einem speziellen Lackhobel, Läuferhobel oder einer Rasierklinge mit geschützten Kanten reduziert werden. Das Werkzeug darf ausschließlich auf der höchsten Stelle des Läufers arbeiten und den umliegenden Lack nicht berühren.

Achtung: Die Arbeit mit einer Rasierklinge ist eher für erfahrene Anwender geeignet. Bei falschem Winkel können tiefe Kratzer entstehen oder der Klarlack bis in die Farbschicht eingeschnitten werden. Kleinere Lackläufer lassen sich sicherer ausschließlich durch Schleifen planieren.

2) Nassschliff mit einem festen Schleifblock

Schleifen Sie die Stelle nass mit einem kleinen, festen Schleifblock. Schleifen Sie nicht nur mit den Fingern, da diese die Form des Läufers nachbilden und gleichzeitig unnötig Klarlack in der Umgebung abtragen.

Je nach Höhe des Läufers kann beispielsweise mit P1500 begonnen werden. Sobald der Läufer fast plan ist, wird mit feineren Körnungen weitergearbeitet:

  • P1500 – vorsichtiges Planieren der erhabenen Stelle,
  • P2000 – Entfernen der Schleifspuren von P1500,
  • P2500 bis P3000 – Vorbereitung der Oberfläche für ein leichteres Polieren.

Trocknen Sie die Fläche regelmäßig ab und kontrollieren Sie sie im Gegenlicht. Sobald der Läufer bündig mit der Umgebung ist, darf mit der gröberen Körnung nicht weitergeschliffen werden.

3) Polieren

Nach dem Planieren des Läufers und dem Verfeinern der Schleifspuren wird die Oberfläche mit einer geeigneten Polierpaste poliert. Beginnen Sie mit einer Korrekturpolitur und verwenden Sie bei Bedarf anschließend eine feinere Finish-Politur.

Kanten, Sicken und scharfe Übergänge müssen mit sehr geringem Druck poliert werden. An diesen Stellen ist die Lackschicht meist dünner und kann leicht durchgeschliffen oder mit der Poliermaschine überhitzt werden.

II. Fortgeschrittene Reparatur mit einer Kontrollschicht aus Feinspachtel

Bei einem stärker ausgeprägten Lackläufer kann nach vollständiger Aushärtung des Klarlacks eine sehr dünne Schicht feiner Finish- oder Feinspachtel verwendet werden. Der Spachtel wird über den Läufer und seine unmittelbare Umgebung aufgetragen.

Beim Schleifen erfüllt er zwei Aufgaben:

  • Er hilft dabei, den umliegenden ebenen Klarlack vor unnötigem Abtrag zu schützen.
  • Er dient als Kontrollschicht und zeigt besser, wann die Spitze des Läufers bündig mit der umliegenden Oberfläche ist.

Vorgehensweise

  1. Lassen Sie den Klarlack vollständig aushärten.
  2. Tragen Sie nur eine sehr dünne Schicht feinen Finish-Spachtels über den Läufer und seine direkte Umgebung auf.
  3. Beginnen Sie nach dem Aushärten des Spachtels vorsichtig mit einem kleinen, festen Schleifblock zu schleifen.
  4. Sobald der Spachtel auf der Spitze des Läufers verschwunden und die Oberfläche plan ist, darf mit der gröberen Körnung nicht weitergeschliffen werden.
  5. Entfernen Sie sämtliche verbleibenden Spachtelreste und arbeiten Sie mit feineren Schleifpapieren weiter, beispielsweise P1500 → P2000 → P3000.
  6. Polieren Sie die Oberfläche anschließend.
Wichtig: Dies ist eine fortgeschrittene praktische Technik. Verwenden Sie nur eine minimale Menge feinen Finish-Spachtels und ausschließlich auf vollständig ausgehärtetem Klarlack. Nach dem Planieren muss der Spachtel vollständig entfernt werden. An Kanten, Sicken und Stellen mit dünner Lackschicht bleibt das Risiko des Durchschleifens hoch.

III. Reparatur durch Planschliff und erneuten Klarlackauftrag

Wählen Sie diese Methode, wenn der Läufer zu hoch ist, die Klarlackschicht zu dünn ist, sich die Oberfläche nicht sicher auspolieren lässt oder beim Schleifen ein Durchschliff entstanden ist.

Vorgehensweise

  1. Lassen Sie den Lack vollständig aushärten.
  2. Schleifen Sie den Lackläufer plan.
  3. Mattieren Sie das gesamte Bauteil oder die zusammenhängende sichtbare Fläche gleichmäßig.
  4. Reinigen und entfetten Sie die Oberfläche gründlich und wischen Sie sie mit einem antistatischen Staubbindetuch ab.
  5. Tragen Sie den neuen Klarlack nach den Angaben des technischen Datenblatts auf.

Beachten Sie beim Überlackieren die vom Hersteller des jeweiligen Klarlacks empfohlene Körnung. Eine zu glatte Oberfläche kann die Haftung verschlechtern. Zu grobe Schleifspuren können nach dem Überlackieren sichtbar bleiben.

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Was tun bei einem Durchschliff bis in die Farbschicht?

Wenn beim Schleifen der Klarlack durchgeschliffen und die Farb- oder Effektschicht beschädigt wurde, lässt sich die Stelle in der Regel nicht nur mit neuem Klarlack reparieren. Die beschädigte Schicht kann einen anderen Farbton, einen sichtbaren Fleck oder eine veränderte Ausrichtung der Effektpigmente aufweisen.

  • Bei einem normalen einfarbigen Basislack kann abhängig vom Schadensumfang die Farbschicht erneuert und anschließend das gesamte Bauteil klarlackiert werden.
  • Bei Candy, Candy Pearl, Perleffekt, Chameleon und anderen Effektlacken empfehlen wir, die gesamte sichtbare Fläche neu aufzubauen, damit Farbton und Effekt gleichmäßig ineinander übergehen.

Häufige Fehler bei der Reparatur

  • Reparatur des Lacks, bevor er vollständig ausgehärtet ist,
  • Schleifen nur mit den Fingern und ohne festen Schleifblock,
  • zu langes Schleifen mit einer groben Körnung,
  • unzureichende Kontrolle der Oberfläche während der Arbeit,
  • zu hoher Druck an Kanten und Sicken,
  • der Versuch, einen Läufer im Effektlack wie einen normalen Klarlackläufer zu behandeln,
  • neuer Lackauftrag auf eine unzureichend mattierte Oberfläche,
  • der Versuch, den Läufer ohne vorheriges Planieren auszupolieren.

Schnellübersicht

  • Frischer Lackläufer: Nicht berühren, vollständig aushärten lassen.
  • Kleiner Läufer im Klarlack: P1500 → P2000 → P3000 → polieren.
  • Hoher Lackläufer: Spitze vorsichtig reduzieren, anschließend mit festem Schleifblock schleifen.
  • Kontrollmethode: Sehr dünne Schicht Feinspachtel über den vollständig ausgehärteten Läufer.
  • Durchschliff bis in die Farbe: Farb- oder Effektschicht erneuern und erneut klarlackieren.
  • Neuer Klarlack: Das gesamte Bauteil oder die zusammenhängende sichtbare Fläche gemäß TDS mattieren.
Abschließender Tipp: Die beste Reparatur ist die, die gar nicht erst notwendig wird. Tragen Sie den Lack aus dem empfohlenen Abstand auf, halten Sie die Ablüftzeiten zwischen den Schichten ein und versuchen Sie nicht, maximalen Glanz mit einer einzigen zu dicken Schicht zu erzielen.

Ein korrekt plan geschliffener Lackläufer lässt sich häufig so beseitigen, dass die Reparatur nach dem anschließenden Polieren bei normaler Betrachtung nicht mehr sichtbar ist. Arbeiten Sie jedoch langsam und kontrollieren Sie regelmäßig, wie viel Material bereits abgetragen wurde.

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