Kunststoff-Motorabdeckung richtig lackieren

Eine Kunststoff-Motorabdeckung eignet sich hervorragend für einen auffälligen Effektlack. Flip-Flop, Candy, Perleffekt oder ein anderer Spezialeffekt kann selbst aus einer gewöhnlichen schwarzen Kunststoffabdeckung einen besonderen Blickfang im Motorraum machen. Für ein hochwertiges und dauerhaftes Ergebnis sind jedoch vor allem die richtige Vorbereitung der Kunststoffoberfläche und ein geeigneter Kunststoffprimer entscheidend.

Für welche Bauteile ist diese Anleitung gedacht? Der beschriebene Aufbau eignet sich in erster Linie für gewöhnliche dekorative Kunststoff-Motorabdeckungen. Wenn Sie einen metallischen Ventildeckel, ein Bauteil in der Nähe des Turboladers oder Abgaskrümmers oder ein anderes stark thermisch belastetes Bauteil lackieren möchten, müssen Lackaufbau und Produkte an das jeweilige Material und die tatsächliche Betriebstemperatur angepasst werden.

1. Motorabdeckung demontieren und gründlich reinigen

Wenn möglich, sollten Sie die Motorabdeckung vor dem Lackieren immer demontieren. Die Arbeit wird dadurch einfacher und das Risiko, dass Lack oder Lösemittel auf umliegende Motorteile gelangen, wird deutlich reduziert.

Entfernen Sie außerdem Embleme, Gummitüllen, Dichtungen und andere Teile, die nicht lackiert werden sollen. Nicht demontierbare Bereiche müssen sorgfältig abgeklebt werden.

Motorabdeckungen sind häufig mit Öl, Fett, Staub und Pflegemitteln aus dem Motorraum verunreinigt. Reinigen Sie die Oberfläche deshalb zunächst gründlich und lassen Sie sie vollständig trocknen.

2. Oberfläche entfetten

Bereits vor dem Schleifen empfehlen wir, Fett und andere Verunreinigungen mit einem geeigneten Entfetter zu entfernen. Dafür eignet sich beispielsweise der HB Body 770 Antisil Silikonentferner im Spray.

Die erste Entfettung vor dem Schleifen ist wichtig – Fett, Silikon und andere Verunreinigungen sollen nicht durch das Schleifmittel tiefer in die Kunststoffoberfläche eingearbeitet werden.

3. Kunststoff leicht mattieren

Eine glatte Kunststoffoberfläche bietet dem Lack keine optimale Haftung. Mattieren Sie deshalb die gesamte zu lackierende Fläche gleichmäßig mit einem feinen Schleifmittel oder Schleifvlies.

Bei glattem Kunststoff kann als Orientierung beispielsweise P600–P800 verwendet werden. Ziel ist nicht, die Abdeckung stark abzuschleifen oder ihre Form zu verändern, sondern lediglich den Glanz zu entfernen und eine gleichmäßig matte Oberfläche zu erzeugen.

Sie möchten die originale Kunststoffstruktur erhalten? Bei strukturierten Motorabdeckungen sollten Sie besonders vorsichtig arbeiten. Durch zu starkes Schleifen kann die Struktur stellenweise geglättet werden – nach dem Lackieren werden solche Unterschiede noch deutlicher sichtbar.

4. Vor dem Primer erneut entfetten

Entfernen Sie nach dem Mattieren sämtlichen Schleifstaub und entfetten Sie die Oberfläche erneut gründlich. Vor dem nächsten Arbeitsschritt muss der Kunststoff vollständig sauber, trocken und staubfrei sein.

Weitere Informationen zur Vorbereitung unterschiedlicher Oberflächen finden Sie in unserem Ratgeber Untergrund fürs Lackieren richtig vorbereiten.

5. Kunststoffprimer auftragen

Auf den sauberen und mattierten unlackierten Kunststoff tragen Sie die BOLL Kunststoff-Grundierung 400 ml im Spray auf. Der transparente Haftvermittler verbessert die Verbindung zwischen Kunststoffoberfläche und den folgenden Lackschichten.

Tragen Sie den Primer in dünnen Schichten auf und beachten Sie die Verarbeitungshinweise und Zeiten des jeweiligen Produkts. Es geht nicht darum, eine dicke Schicht wie bei einem Füller aufzubauen – der Kunststoffprimer soll in erster Linie eine zuverlässige Haftung des Lacks auf dem Kunststoff gewährleisten.

Grundaufbau für eine lackierte Kunststoff-Motorabdeckung:
gereinigter Kunststoff → mattieren → entfetten → Kunststoffprimer → Basislack → Effektlack → Klarlack

6. Sie möchten eine glatte Oberfläche? Füller verwenden

Dieser Schritt ist nicht immer erforderlich. Wenn Sie die ursprüngliche Struktur der Kunststoffabdeckung erhalten möchten, können Sie nach dem korrekt aufgetragenen Kunststoffprimer direkt mit dem empfohlenen Lackaufbau fortfahren.

Ist die Abdeckung jedoch rau, verkratzt oder möchten Sie eine glatte Oberfläche ähnlich einer lackierten Karosseriefläche erzielen, können Sie die Oberfläche mit dem 2K HB Body P360 Grau Füller im Spray ausgleichen.

Nach dem Aushärten schleifen Sie den Füller mit etwa P400–P600 bis zur gewünschten Glätte. Entfernen Sie vor dem Basislack erneut gründlich den Schleifstaub und entfetten Sie die Oberfläche.

7. Den richtigen Basislack wählen

Nach der Vorbereitung des Kunststoffs folgt der gleiche Farbaufbau wie bei anderen korrekt vorbereiteten Oberflächen. Der Basislack muss immer passend zum gewählten Effekt ausgewählt werden.

Tragen Sie den Basislack in mehreren dünnen und gleichmäßigen Schichten auf, bis eine vollständig geschlossene und gleichmäßig deckende Oberfläche entstanden ist.

8. Effektlack auftragen

Nach der richtigen Ablüftzeit des Basislacks können Sie den gewählten Effektlack auftragen. Durch ihre Form und Position eignet sich eine Kunststoff-Motorabdeckung hervorragend für viele auffällige Effektfarben.

Zur Auswahl stehen beispielsweise:

Die genaue Anzahl der Schichten, die Ablüftzeiten und der erforderliche Untergrund richten sich nach dem gewählten Effektlack. Grundsätzlich erzielen Sie mit mehreren dünnen und gleichmäßigen Schichten ein besseres Ergebnis als mit einer einzigen dicken Schicht.

9. Mit Klarlack abschließen

PMcolours Effektlacke sind Basislacke und müssen mit einem transparenten Klarlack abgeschlossen werden. Dieser verstärkt die Tiefe und Wirkung des Effekts und schützt gleichzeitig die Oberfläche bei normaler Nutzung und Reinigung des Motorraums.

Für eine möglichst hohe mechanische und chemische Beständigkeit empfehlen wir den 2K PRO Klarlack glänzend 400 ml im Spray. Dabei handelt es sich um einen echten Zweikomponenten-Klarlack mit einem direkt in der Spraydose aktivierbaren Härter.

Nach Aktivierung des 2K-Sprays ist die Verarbeitungszeit begrenzt. Bereiten Sie deshalb vor der Aktivierung das gesamte Projekt vor und beachten Sie die Hinweise beim Produkt.

Temperatur der Motorabdeckung beachten

Herkömmliche PMcolours Effektlacke sind bis etwa 100 °C temperaturbeständig. Eine typische dekorative Kunststoff-Motorabdeckung gehört normalerweise nicht zu den extrem thermisch belasteten Motorteilen. Trotzdem sollten Sie vor dem Lackieren die tatsächliche Position und Betriebstemperatur des Bauteils berücksichtigen.

Achtung: Dieser Lackaufbau ist nicht für Bauteile vorgesehen, deren Oberflächentemperatur dauerhaft über etwa 100 °C liegen kann. Bei metallischen Ventildeckeln, Bauteilen in der Nähe von Turbolader oder Abgasanlage und anderen thermisch stark belasteten Teilen sollten Sie zunächst die tatsächliche Betriebstemperatur prüfen und ein entsprechend geeignetes Lacksystem verwenden.

Der komplette Ablauf im Überblick

  1. Kunststoff-Motorabdeckung demontieren und gründlich reinigen.
  2. Fett, Silikon und andere Verunreinigungen entfernen.
  3. Die gesamte Oberfläche fein und gleichmäßig mattieren.
  4. Schleifstaub entfernen und die Oberfläche erneut entfetten.
  5. Kunststoffprimer auftragen.
  6. Für eine glatte Oberfläche bei Bedarf Füller verwenden und nach dem Aushärten schleifen.
  7. Den zum gewünschten Effekt passenden Basislack auftragen.
  8. Effektlack in mehreren dünnen Schichten auftragen.
  9. Mit einem hochwertigen Klarlack, idealerweise 2K, abschließen.
  10. Den gesamten Lackaufbau vor der Montage ausreichend aushärten lassen.

Bei einer Kunststoff-Motorabdeckung sind vor allem eine saubere, korrekt mattierte Oberfläche und ein hochwertiger Kunststoffprimer entscheidend für die Haltbarkeit. Ist der Kunststoff richtig vorbereitet, können Sie darauf den gleichen Aufbau aus Basislack, Effektlack und Klarlack wie auf anderen lackierbaren Bauteilen verwenden und außergewöhnliche Flip-Flop-, Candy-, Perl- oder andere Spezialeffekte erzielen.

Wenn Sie zum ersten Mal mit einer Spraydose lackieren, empfehlen wir außerdem unseren Ratgeber So lackieren Sie mit Spray – kompletter Schritt-für-Schritt-Leitfaden.

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