Carbon lackieren – Schritt für Schritt

Carbon lässt sich grundsätzlich ähnlich wie andere Fahrzeugteile lackieren. Entscheidend ist jedoch, die Carbonfasern beim Schleifen nicht zu beschädigen. Ein intakter, tragfähiger Klarlack muss lediglich gründlich entfettet und angeschliffen werden. Wird bei der Reparatur das ausgehärtete Harz freigelegt und soll das Carbon anschließend farbig überlackiert werden, empfehlen wir eine 2K-Epoxy-Grundierung.

Carbonteile werden heute häufig an Autos, Motorrädern, Fahrrädern und auch im Innenraum eingesetzt. Mit der Zeit kann der ursprüngliche Klarlack matt werden, Risse bilden oder sich ablösen. Carbon kann außerdem vollständig mit einem anderen Farbton oder Effektlack überlackiert werden.

Das Lackieren von Carbon ist grundsätzlich nicht kompliziert. Besonders wichtig ist jedoch, den Zustand der Oberfläche richtig zu beurteilen und beim Schleifen die eigentlichen Carbonfasern nicht zu beschädigen. In den meisten Fällen wird nicht direkt auf der Kohlefaser lackiert, sondern auf dem vorhandenen Klarlack oder auf dem ausgehärteten Harz, in das die Fasern eingebettet sind.

Zuerst den Zustand des Carbonteils prüfen

Kontrollieren Sie das Bauteil vor Beginn der Arbeiten gründlich. Meist liegt eine der folgenden drei Situationen vor:

  1. Der vorhandene Klarlack ist intakt und haftet fest.
    Die Oberfläche ist weder gerissen noch blättert sie ab. In diesem Fall muss der vorhandene Lack nicht bis auf das Carbon entfernt werden. Reinigen, entfetten und anschleifen genügt.
  2. Der Klarlack ist verwittert, gerissen oder löst sich ab.
    Die beschädigte Schicht muss so weit entfernt werden, bis wieder ein fester und tragfähiger Lackaufbau erreicht ist. Die Übergänge sollten gleichmäßig auslaufen.
  3. Harz oder Carbonfasern liegen frei.
    Ist lediglich festes, unbeschädigtes und ausgehärtetes Harz freigelegt, kann die Oberfläche weiter für die Lackierung vorbereitet werden. Sind die Carbonfasern dagegen ausgefranst, angeschliffen oder mechanisch beschädigt, muss zunächst der Verbundwerkstoff selbst repariert werden.

Wichtig: Ein Carbonverbundwerkstoff ist kein gewöhnlicher Kunststoff. Ein Kunststoff-Haftvermittler wird deshalb auf echtem Carbon nicht automatisch benötigt.

Was Sie benötigen

Beim Schleifen von Carbonverbundwerkstoffen sollten Sie einen geeigneten Atemschutz und nach Möglichkeit eine Absaugung verwenden. Feinen Schleifstaub nicht einatmen.

Carbon lackieren – Schritt für Schritt

1. Bauteil gründlich reinigen

Entfernen Sie zuerst Schmutz, Staub sowie Rückstände von Wachsen, Polituren und anderen Pflegemitteln.

Carbonteile werden häufig mit Wachs, Versiegelungen oder keramischen Beschichtungen behandelt. Solche Rückstände können die Haftung des neuen Lackaufbaus erheblich verschlechtern. Reinigen Sie die Oberfläche deshalb bereits vor dem Schleifen gründlich.

2. Oberfläche entfetten

Nach der Reinigung verwenden Sie einen geeigneten Entfetter für die Lackiervorbereitung. Geeignet ist beispielsweise der HB BODY 770 Silikonentferner (Antisil).

Ideal ist die Zwei-Tuch-Methode: Mit dem ersten sauberen Tuch wird der Reiniger aufgetragen und die Verschmutzung gelöst, mit einem zweiten trockenen Tuch wird sie unmittelbar aufgenommen.

Verwenden Sie keine Nitroverdünnung oder andere aggressive Lösemittel nur mit dem Ziel einer besonders starken Entfettung. Bestimmte Harze oder ältere Lackierungen können dadurch angegriffen werden.

3. Intakten vorhandenen Lack anschleifen

Wenn der vorhandene Klarlack fest haftet, muss er nicht entfernt werden. Ziel ist lediglich, den Glanz vollständig zu beseitigen und eine gleichmäßig matte Oberfläche für die nächste Lackschicht zu schaffen.

Je nach nachfolgendem Lacksystem eignen sich beispielsweise:

  • P600–P800 vor einer anschließenden Farblackierung,
  • P800–P1000 für eine feine Vorbereitung vor neuem Klarlack.

Geeignet sind beispielsweise SIA P800 Schleifpapier und SIA P1000.

Nach dem Schleifen muss die gesamte Fläche gleichmäßig matt sein. Glänzende Stellen zeigen, dass die Oberfläche dort noch nicht ausreichend vorbereitet wurde.

An Kanten besonders vorsichtig arbeiten. Dort ist die Lackschicht meist am dünnsten und kann sehr schnell durchgeschliffen werden. Kanten und stark geformte Bereiche deshalb besser von Hand und mit wenig Druck bearbeiten.

4. Beschädigten oder abblätternden Lack entfernen

Wenn sich der vorhandene Klarlack ablöst, Risse bildet oder keine ausreichende Haftung mehr besitzt, genügt ein einfaches Anschleifen nicht.

Entfernen Sie die beschädigten Schichten so weit, bis wieder ein fester, tragfähiger Untergrund erreicht ist. Der Übergang zum verbleibenden Altlack sollte weich und gleichmäßig ausgeschliffen werden.

Für stärkere Defekte oder zum Auslaufen eines Übergangs kann vorsichtig beispielsweise SIA P400 verwendet und anschließend mit einer feineren Körnung nachgearbeitet werden.

Bei Carbon geht es jedoch nicht darum, möglichst schnell bis auf das Grundmaterial zu schleifen. Tragfähige Schichten sollten nicht unnötig entfernt werden.

5. Carbonfasern nicht anschleifen

Wenn Sie beim Schleifen durch den Klarlack bis auf das ausgehärtete Harz gelangen, muss das nicht automatisch problematisch sein.

Sobald jedoch die eigentlichen Carbonfasern angegriffen werden, sollten Sie das Schleifen sofort stoppen.

Typische Warnzeichen sind:

  • freiliegende einzelne Fasern,
  • eine ausgefranste Oberfläche,
  • beschädigte Gewebestruktur,
  • Risse oder Vertiefungen im Laminat,
  • andere mechanische Schäden am Verbundwerkstoff.

In diesem Fall handelt es sich nicht mehr nur um einen Lackschaden. Zunächst muss der Carbonverbund fachgerecht repariert werden.

6. Braucht Carbon eine Grundierung?

Auf einem intakten und tragfähigen vorhandenen Lack ist normalerweise keine zusätzliche Grundierung erforderlich. Auf freigelegtem, ausgehärtetem Harz, das anschließend farbig überlackiert wird, empfehlen wir eine 2K-Epoxy-Grundierung.

Ist der vorhandene Klarlack fest und wurde er korrekt angeschliffen, muss nicht allein deshalb eine zusätzliche Grundierung aufgetragen werden, weil es sich um Carbon handelt.

Eine Grundierung ist insbesondere sinnvoll, wenn beim Reparieren Harz freigelegt wurde, Reparaturstellen vorhanden sind oder vor einer vollständigen Farblackierung unterschiedliche Untergründe vereinheitlicht werden müssen.

2K-Epoxy-Grundierung – unsere bevorzugte Lösung

Wird das Carbon anschließend vollständig mit Farbe überlackiert und ist bei der Vorbereitung ausgehärtetes Harz freigelegt worden, empfehlen wir als stabile Zwischenschicht die 2K PRO Epoxy-Grundierung 400 ml.

Eine Epoxy-Grundierung isoliert den Untergrund, bietet eine sehr gute Haftung und schafft eine stabile Basis für die weiteren Lackschichten.

Nur auf einem sauberen, trockenen, entfetteten und korrekt angeschliffenen Untergrund anwenden und stets die Verarbeitungshinweise im technischen Datenblatt beachten.

HB BODY P360 – Alternative mit Füllwirkung

Wenn gleichzeitig kleinere Unebenheiten ausgeglichen werden sollen, kann alternativ der HB BODY P360 2K HS Füller verwendet werden.

Der 2K-Füller ist unter anderem für Altlack, Glasfaserlaminate, Polyesterspachtel, Stahl und weitere Fahrzeuguntergründe geeignet. Die Eignung des P360 für korrekt vorbereitete Carbonverbundwerkstoffe wurde uns zusätzlich von einer Vertretung des Herstellers HB BODY bestätigt.

P360 ist besonders interessant, wenn neben der Grundierung auch kleinere Unebenheiten ausgeglichen werden sollen. Der Hersteller empfiehlt zwei dünne Schichten mit einer Gesamtschichtdicke von etwa 50–60 µm. Nach dem Trocknen kann der Füller für die weitere Lackierung mit P400–P600 vorbereitet werden; beim manuellen Nassschliff wird P800–P1000 angegeben.

Wenn Sie den genauen Aufbau oder Zustand des Carbonverbundwerkstoffs nicht kennen, bevorzugen wir eine 2K-Epoxy-Grundierung.

7. Grundierung für die weitere Lackierung vorbereiten

Lassen Sie Grundierung oder Füller vollständig trocknen und schleifen Sie anschließend entsprechend dem technischen Datenblatt des verwendeten Produkts.

Die Oberfläche muss glatt, gleichmäßig matt und frei von scharfen Übergängen, Poren oder sichtbaren Schleifriefen sein.

Anschließend den gesamten Schleifstaub entfernen und die Oberfläche erneut entfetten. Danach die vorbereitete Fläche möglichst nicht mehr mit bloßen Händen berühren.

Variante A: Die Carbonstruktur soll sichtbar bleiben

Wenn die typische Carbonstruktur sichtbar bleiben soll, darf auf der Sichtfläche keine deckende Grundierung oder kein deckender Füller verwendet werden.

Bei einem intakten und fest haftenden vorhandenen Klarlack ist der typische Aufbau:

Carbonverbund → vorhandener tragfähiger Klarlack → Anschliff → neuer 2K-Klarlack

Für den finalen Schutz eignet sich beispielsweise der 2K PRO Klarlack glänzend. Für eine matte Carbonoptik kann der 2K PRO Klarlack matt verwendet werden.

Bei Carbonteilen im Außenbereich ist ein hochwertiger Klarlack außerdem wichtig, um die Oberfläche langfristig vor UV-Strahlung und Witterungseinflüssen zu schützen.

Wurde der ursprüngliche Klarlack bis auf das Harz entfernt und soll die Carbonstruktur weiterhin sichtbar bleiben, sollte zunächst eine Probe mit dem vorgesehenen transparenten System durchgeführt werden. Beschädigte oder poröse Laminate können vor der abschließenden Klarlackierung eine Reparatur des Harzes erfordern.

Variante B: Carbon vollständig farbig überlackieren

Wenn die Carbonstruktur vollständig verschwinden soll und das Teil mit einem normalen oder einem Effektlack überlackiert wird, ist der Aufbau einfacher.

Bei einem intakten vorhandenen Lack kann der Aufbau beispielsweise so aussehen:

Carbon → tragfähiger vorhandener Lack → Anschliff → Basislack → 2K-Klarlack

Ist der Untergrund nach der Reparatur uneinheitlich oder liegt stellenweise Harz frei:

Carbonverbund → 2K-Epoxy-Grundierung / geeigneter 2K-Füller → Schleifen → Basislack → 2K-Klarlack

8. Basis- oder Effektlack auftragen

Tragen Sie die Farbe in mehreren gleichmäßigen Schichten auf. Versuchen Sie nicht, die vollständige Deckung mit einer einzigen zu dicken Schicht zu erreichen.

Zwischen den Schichten die vorgeschriebenen Ablüftzeiten des jeweiligen Lacks einhalten.

Bei Perleffekt-, Candy-, Chameleon- oder anderen Effektlacken ist eine gleichmäßige Applikation besonders wichtig. Unterschiedliche Materialmengen können Farbton und Effekt verändern.

9. 2K-Klarlack auftragen

Nach ausreichender Ablüftung des Basis- oder Effektlacks folgt der schützende Klarlack.

Für Fahrzeug-, Motorrad- und andere beanspruchte Teile empfehlen wir einen hochwertigen 2K-Klarlack, beispielsweise den 2K PRO Klarlack glänzend 400 ml.

Der Klarlack erzeugt die endgültige Optik und schützt die Farbschicht vor mechanischer Beanspruchung, Chemikalien, UV-Strahlung und Witterung.

Beachten Sie das Überlackierfenster des verwendeten Basislacks sowie die Verarbeitungshinweise des Klarlackherstellers.

10. Lack ausreichend aushärten lassen

Ein frisch lackiertes Teil kann relativ schnell oberflächentrocken sein. Das bedeutet jedoch nicht, dass der komplette Lackaufbau bereits vollständig ausgehärtet ist.

Warten Sie deshalb mit der Montage, dem Festziehen von Schrauben, dem Aufkleben von Klebebändern oder intensivem Polieren. Die vollständige Aushärtung hängt vom verwendeten System, der Schichtdicke und der Temperatur ab.

Kann verwittertes Carbon einfach poliert werden?

Ja, wenn nur die Oberfläche leicht beschädigt ist.

Ist noch ausreichend Klarlack vorhanden und weist dieser lediglich feine Kratzer oder Glanzverlust auf, kann ein feiner Anschliff mit anschließender Politur ausreichen.

Ist der Klarlack dagegen gerissen, blättert ab, ist stark vergilbt oder fehlt stellenweise vollständig, lässt sich das Problem durch Polieren nicht beheben. Die Oberfläche muss neu aufgebaut und lackiert werden.

Häufige Fehler beim Lackieren von Carbon

Unnötiges Durchschleifen bis auf das Carbon

Wenn der vorhandene Lack fest haftet, muss er nicht vollständig entfernt werden. Dadurch würde lediglich das Risiko steigen, die Carbonfasern zu beschädigen.

Zu grobes Schleifen

Grobes Schleifmittel nur dort verwenden, wo tatsächlich beschädigtes Material entfernt werden muss. An Kanten und Bereichen mit dünnem Lack besonders vorsichtig arbeiten.

Unzureichendes Entfetten

Wachs, Silikon, Polituren und keramische Versiegelungen können zu schlechter Haftung, Kratern und weiteren Lackierfehlern führen.

Über abblätternden Altlack lackieren

Der neue Lack kann nur so gut haften wie die Schicht darunter. Alle nicht tragfähigen Teile des vorhandenen Lacks müssen entfernt werden.

Automatisch Kunststoffgrundierung verwenden

Carbonverbund ist kein gewöhnlicher unlackierter PP- oder PE-Kunststoff. Eine Kunststoffgrundierung ist deshalb keine universelle Lösung für Carbon.

Deckende Grundierung verwenden, obwohl das Carbon sichtbar bleiben soll

Sowohl die 2K-Epoxy-Grundierung als auch P360 sind deckend. Sie sollten deshalb nur verwendet werden, wenn das Carbon anschließend vollständig farbig überlackiert wird.

Carbon lackieren – Kurzfassung

  1. Bauteil gründlich reinigen.
  2. Wachs, Silikon und Fett vollständig entfernen.
  3. Zustand des vorhandenen Klarlacks kontrollieren.
  4. Intakten Lack lediglich gleichmäßig anschleifen.
  5. Beschädigten und abblätternden Lack bis auf einen festen Untergrund entfernen.
  6. Carbonfasern nicht anschleifen oder beschädigen.
  7. Bei freigelegtem Harz und anschließender Farblackierung eine geeignete 2K-Grundierung verwenden – bevorzugt Epoxy.
  8. Bei Bedarf kann auch HB BODY P360 als 2K-Füller eingesetzt werden.
  9. Grundierung nach der Trocknung schleifen und die gesamte Fläche erneut entfetten.
  10. Bei einer Farbänderung Basis- oder Effektlack auftragen.
  11. Mit einem hochwertigen 2K-Klarlack abschließen.
  12. Den kompletten Lackaufbau ausreichend aushärten lassen.

Die wichtigste Regel: Wenn der vorhandene Untergrund fest haftet, muss beim Schleifen nicht bis auf das Carbon vorgedrungen werden. Ziel ist ein sauberer, tragfähiger und gleichmäßig vorbereiteter Untergrund – nicht das Entfernen möglichst vieler vorhandener Schichten.

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